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16.02.2009

Werder kommt nicht von der Stelle

The same procedure

Text: Oliver Bruns  Bild: Imago

In Bremen alles wie immer: Hinten den Ball quasi selbst ins Tor bugsiert, vorne zu nachlässig. Mittlerweile gibt es mehrere Vereine, die die Schwächephase von Werder nutzten, um den Hanseaten den Rang abzulaufen.

Werder kommt nicht von der Stelle - The same procedure


In Bremen haben sie am Wochenende alles getan, um den Tisch zu decken zum Start der von Thomas Schaaf geforderten Siegesserie. Es wurde sogar der Bremer Karneval (so was gibt es tatsächlich!) von Samstagnachmittag auf 11:11 Uhr vorverlegt.



The same procedure as every weekend

Zu Gast im Weserstadion war der Tabellenletzte aus Gladbach, der gerade genug damit zu tun hatte, mit dem Spaten über seine Trainingsplätze zu laufen, um den Maulwurf eins auf den Deckel zu geben sobald er sich zeigte, der einen Beschwerdebrief der Mannschaft an den Vorstand über Trainer Meyer an die Öffentlichkeit lanciert hatte.

Und bei uns war immerhin wieder Claudio Pizarro dabei. Der traf ja auch. Ansonsten habe ich mich ernsthaft gefragt, welchen der Kommentare der letzten Monate ich für dieses Spiel einfach abschreibe. 28 Schüsse aufs Tor, Ecken ohne Ende, Ballbesitz gefühlte 90%. Aber nur ein Tor und hinten Mal wieder ein Gegentor, dass mit »dämlich« nur sehr unzureichend beschrieben wurde. Soll man das jetzt als Fortschritt bezeichnen?

Es besteht kein Zweifel, dass Werder den Gegner komplett beherrschte und mit zunehmender Spieldauer an die Wand spielte. Einzig der mangelnden Präzision vor dem Tor, aber auch einer überragenden Leistung des Torwarts der Gladbacher ist es zuzuschreiben, dass das Spiel nicht 8:0 sondern 1:1 ausging. Mir scheint das Spiel ein Musterbeispiel dafür zu sein, dass Glück doch eine große Rolle spielt im Leben eines Bundesligateams. Denn wenn Werder am Samstag ein frühes Tor gelungen wäre, hätte es nicht nur vormittags im Viertel einen Karneval gegeben, sondern nachmittags gleich noch einen. So aber bleibt ein Punkt.

Wenn Werder gewinnt oder Bayern verliert

Grund genug ein paar Becks zu trinken hatten wir ja trotzdem. Willi Lemke hatte es vor Jahren als Bremer Parole ausgegeben, dass es zwei Gründe gibt, Bier zu trinken. Wenn Werder gewinnt oder wenn Bayern verliert. Wenigstens über die Niederlage der Roten konnten wir uns freuen. Auch wenn diese auf den Ausgang unserer Saison wahrscheinlich keinen weiteren Einfluss hat. Schön war es trotzdem.

Was soll man in dem Zusammenhang eigentlich davon halten, dass Hertha BSC Tabellenführer ist? Ich denke, es ist ein Zeichen dafür, dass die Jahre, in den die Champions-League-Plätze unter 3-5 Mannschaften ausgespielt wurden vorbei sind. Die Spitze der Liga ist definitiv enger zusammengerückt, und wir haben Vorsprung eingebüßt, bzw. sind von einigen anderen eingeholt worden. Leverkusen, Hamburg, Berlin, Bayern, Hoffenheim: Das sind alles Team, denen man aus Sicht des 20. Spieltages den Titel zutraut. Um die Plätze 2 und 3 könnte man noch Stuttgart und Wolfsburg dazuzählen. Das ist eine Reihe von Vereinen, die genau zugeschaut haben, wie das in Bremen so läuft und nicht einfach nur Geld in die Hand genommen haben, sondern auch Strukturen schufen. Werder sei wachsam.

Es wäre schön, wenn wir in den nächsten Wochen wenigstens so gut (und zählbar erfolgreich) spielen, dass wir attraktiv genug sind für hoffnungsvolle Gesichter. Ich will mal wieder auf dem Marktplatz stehen. Im Mai. Und zum Balkon hoch schauen. Ach ja…. Der Satz des Wochenendes kam übrigens vom ZDF-Reporter Tibor Meingast zum Spiel 1.FC Köln-KSC. Angesichts der Offensivleistung der beiden Teams sagte er nämlich: »Beide Teams verströmten soviel Torgefahr wie ein Joghurt im Kühlschrank.« Schönes Ding. Hat ja auch niemand behauptet, dass es in diesen Tagen nur als Werderfan schwer ist.




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