Hannovers Matchwinner Bastian Schulz
Kein Schulz von vielen
Text: Lucas Vogelsang Bild: Imago
Wenn man seinen Namen auf dem Spielberichtsbogen sieht, glaubt man zunächst an einen Irrtum und will schon »Christian« drüberschreiben. Aber nein: Bastian Schulz gibt es wirklich. Er ist neu, jung und gut für 96.
Als der Ball hinter ihm einschlug, nachdem er eine Flugkurve von chaotischer Schönheit gezeichnet hatte, wirkten Frank Rosts Augen wie aus der Feder japanischer Manga-Zeichner. Groß wie Untertassen. Hannovers Bastian Schulz hatte einfach abgezogen. Es war sein erstes Bundesligator. Und eine mit Pauken unterlegte Erlösung.
Schulz hatte dieses Spiel entschieden, als es eigentlich noch gar nicht wirklich begonnen hatte. Frank Rost und der HSV erholten sich nicht mehr von diesem Flatterball, während die 96er plötzlich wirkten wie eine materialisierte Traumsequenz Dieter Heckings. Hätte man den ARD-Kommentatoren-Crashkurs besucht, man würde das Tor von Bastian Schulz wohl als Hustenlöser bezeichnen. Und es passt in die derzeitigen Chaos-Wochen bei Hannover, dass ausgerechnet dieser Bastian Schulz und keiner der für viele Millionen hinzu gekauften Starschnitt-Hoffnungsträger seine Mannschaft befreiend abhusten ließ.
Der Mann mit dem Tarnkappenschleier
Schulz ist ein echter Hannoveraner. Er ist dort geboren, seit elf Jahren im Verein. Und eigentlich ist er eines der wertvollsten niedersächsischen Eigengewächse seit Per Mertesacker und Jan Rosenthal. Nur wusste das bis vor wenigen Monaten noch niemand. Vielleicht nicht einmal Schulz selbst. Und so hat sich der mittlerweile 23-Jährige auch lange Zeit erfolgreich in der zweiten Mannschaft der 96er versteckt und sein Talent mit einem Tarnkappenschleier aus Zurückhaltung und temperamentbedingtem Phlegma kaschiert. Bis er dann schließlich doch noch von Dieter Hecking entdeckt wurde.
In der vergangenen Saison durfte er zweimal auf Probe mit den Großen spielen und erhielt in diesem Sommer endlich einen Profivertrag. Seitdem wird Schulz von Hannovers Cheftrainer systematisch an die Bundesliga herangeführt. Hecking hat viel Geduld mit Schulz. Weil er ihm viel zutraut. Wohl zurecht. Denn von den Anlagen her kann er auf lange Sicht in die Rolle als Abfangjäger vor der Abwehr hineinwachsen, die bei Hannover 96 seit gefühlten 25 Jahren von Altin Lala bekleidet wird.
Wenn es gut läuft kann der neue Lokalheld aber wohl auch mehr. Mit seiner Dynamik verkörpert Schulz einen Spielertypen, wie es ihn seit dem Abgang von Julian de Guzman in Hannovers Mittelfeld nicht mehr gegeben hat. Nur muss er dafür wohl schon bald den nächsten Schritt machen, den Deckmantel des Talents von um die Ecke abstreifen. Denn trotz seiner Qualitäten blieb Schulz zu Beginn dieser Saison weitgehend unbeachtet. Schulz spielte. Das zumindest stand auf den Spielberichtsbogen. Doch er versank in der allgemeinen niedersächsischen Ergebniskrise. Und wenn er doch einmal auf sich aufmerksam machte, stand ihm sein Nachname im Weg. Schulz: Ein deutscher Sammelbegriff und zudem ein Etikett, das bei Hannover schon vergeben war. An Christian Schulz. Der zudem noch exakt dieselbe Posiion im defensiven Mittelfeld bekleidet.
Mit Blick auf den Spielberichtsbogen hielten Bastian Schulz nicht wenige einen Schreibfehler. Und so musste der kleine, neue Schulz erfahren, wie schwer es ist, in einer blassen Mannschaft strahlend aus dem Schatten eines ehemaligen Nationalspielers zu treten. Mit dem Tor gegen den HSV ist ihm dies vorerst gelungen.
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