Die Vermarktung der TV-Rechte
Auf dem Rücken der Fans
Text: Frederik Küfe#www.diescheitel.de Bild: Imago

Leo Kirch, der mit der Pleite seiner KirchMedia fast die ganze Liga in den Abgrund gezogen hätte. Genau dieser Kirch bezahlt ab 2009 für sechs Jahre 3 Milliarden Euro und fungiert als Zwischenhändler für die DFL. Finanziell ist das sicherlich ein großer Schritt für die Deutsche Fußball Liga, doch schnell dürfte jedem klar werden, dass die 20 Prozent mehr Geld - aktuell bekommt die Liga ca. 420 Mio im Jahr - nicht einfach ohne entsprechende Gegenleistung bezahlt werden.
Doch was ändert sich für uns, den gemeinen Zuschauer?
Kirch wird sich sicherlich nicht mit einem Minusgeschäft zufrieden geben, er muss also mehr als 500 Mio erwirtschaften. Premiere, die im Moment 220 Millionen im Jahr für die Pay-TV-Rechte bezahlen, dürfte erster Ansprechpartner für eine Mehrzahlung sein. Der Sender hat allerdings mehrfach signalisiert, dass dies nur realistisch sei, wenn man im Gegenzug mehr Exklusivität zugesichert bekomme. Für den Fußballfan zieht das ganz einfach die Konsequenz nach sich, dass die ARD Sportschau auf einen Sendeplatz jenseits der 22 Uhr-Grenze rückt und man von den Sonntagsspielen wohl vor Montagabend nichts zu sehen bekommt. Des Weiteren ist in diesem Zusammenhang auch eine Spieltagzerstückelung à la Barclays Premier League, mit Anstoßzeiten von 13.00, 15.30, 18.00 und 20.15 Uhr, durchaus denkbar.
Außerdem plant die DFL zusammen mit Kirch eine eigene TV-Produktion; Spielübertragung, Interviews, Kommentar etc. sollen dann von der Liga selbst produziert und nur noch an den übertragenden Sender überspielt werden. Schon jetzt regt sich deshalb großer Aufstand beim Deutschen Journalisten Verband, der “Selbstbeweihräucherung” und mangelnde Objektivität wittert.
Aus meiner ganz persönlichen Sicht bleibt noch festzuhalten, dass bei der sechsjährigen Bindung vielleicht der Fehler gemacht wurde, sich zu sehr von der 500 Millionen Offerte hat blenden lassen. Für die nächsten drei Jahre ist die Summe sicherlich eine akzeptable Steigerung der Einnahmen, für sechs Jahre allerdings erscheint es mir leider wie eine weitere Zementierung der Position der Bundesliga als europäisches Mittelmaß. Für den Fan bedeutet der neue Vertrag deutliche negative Veränderungen bei den Bundesligaübertragungen und Spielansetzungen, die wohl nicht mit einer sportlichen Aufwertung der Bundesliga einhergehen werden.





