DVD: Kinowelt - 15,99€
Maradona by Kusturica
Text: 11FREUNDE Bild: Promo
Es ist nicht einfach, einen Dokumentarfilm über Gott zu machen. Das muss Emir Kusturica bereits am zweiten Tag der Dreharbeiten erfahren.
Mit seiner Crew wartet er vor der Stadtvilla von Diego Maradona, als dieser mit seiner Entourage herausstürmt, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Zwei Jahre wird er brauchen, um seinen Film fertigzustellen. »Maradona by Kusturica« ist keine klassische Dokumentation, kein linear erzähltes Heldenepos, sondern eine Doku mit »Making-of«-Charakter. Der serbische Filmemacher bleibt ständig im Film präsent, als gleichberechtigter Partner, soweit man das neben Maradona sein kann. Trenner zwischen den wichtigsten Stationen ist immer wieder das 2:1 gegen England 1986, unterlegt von »God Save the Queen« von den Sex Pistols.
Kusturica fährt mit Maradona im Zug zu einer Kundgebung der »antiimperialistischen Führer Lateinamerikas«, zeigt, wie selbst Hugo Chavez und Evo Morales hinter dem Mythos verblassen. Maradona erzählt ihm im Plauderton von Kindheit und Kokain und verbreitet wirre Verschwörungstheorien, wahlweise über Bush jr. oder Blatter. Eine der stärksten Szenen ist ungeschnittenes Material von einer Straßenszene in Neapel. Gezeigt wird, was passiert, wenn der Messias auf die Erde zurückkehrt bzw. was passiert, wenn Maradona ein Hotel verlässt. Ganz nahe ist man dem gefallenen Helden an seinem 40. Geburtstag, als er ein ergreifendes Lied singt, das die ganze Tragik seines Lebens erzählt. Wenn man die Bilder der letzten Jahrzehnte betrachtet, wird Maradonas Kampf wohl weitergehen, zumindest der gegen den Jojo-Effekt.



