Belgien-Deutschland im 11FREUNDE-Liveticker
Feiern okay, aber Realität
Text: Dirk Gieselmann und Fabian Jonas Bild: Imago
»Feiern okay, aber Realität«, notierte Lothar Matthäus auf seinem berühmten Zettel. Hat er dieses Spiel vorausgesehen? Deutschland malocht Belgien mit 1:0 nieder und gewährt einen Blick auf den langen, krautigen Weg zur EM. Geht spazieren – mit dem 11FREUNDE-Liveticker.
20:31 Uhr
Gääääääähnnnnnnnnagut, der Winterschlaf war kurz. Gleich geht's los mit Dingsbums, liebe Fans. Wir rauchen noch eine, der Jonas und ich. Dann kann der dicke Van Buyten uns kennen lernen. Uns! Vielleicht. Bis dann mal.
20:42 Uhr
Deutschland gegen Belgien also, das gab's für meine Begriffe zuletzt 1994 bei der WM, als Klinsi die Pulle von Preud'homme weggeschossen hat. Spritz! Geil! Und es war Sommer. Der jetzt, da dieses Spiel beginnt, vorbei ist. Der deutsche Herbst. Ohne RAF, aber mit Aserbaidschan. Und Belgien. Und der ersten Ecke. Ging schnell. Wie alles. Zum Beispiel der Sommer. Vorbei.... einfach vorbei.
3. Minute
...brachte nichts ein. Die Ecke. Die EM-Quali bisher auch nichts. Was soll das? Wir sind noch nicht im Spiel. Ist auch unser erstes in dieser Saison. Nachher wollten wir eigentlich wissen, wo wir stehen. Mal sehen.
5.
Ich gucke hin: Freistoß für Belgien, ca. 30 Meter vor Neuers Tor. Ich gucke auf die Tastatur, nehme eine falsche Leerzeile raus, schaue wieder aufs Spiel, Kerze. Womit sich nun die Frage stellt, ob der Belgier den Freistoß als Kerze gespielt hat. Wäre immerhin eine neue Variante.
8.
Halbchance für Belgien, Ballbesitz für Deutschland. Also nichts, womit wir uns an einem Freitagabend eigentlich auseinandersetzen wollen. Pro 15:30 Uhr. Wobei: Noch dringlicher wäre im Moment: Pro deutsche Abwehr. Was machen die da? Erst vertändelt Lahm, dann zieht Lukaku ab, Neuer hält. Was soll das?
10.
Wo ist eigentlich Enzo Scifo, der Eighties-Schönling mit der Muschelkette? Hängt wohl im Freibad ab und macht Arschbomben. So wie Khedira es auch tun könnte, zumindest dem Äußeren nach zu schließen, aber er ist eine andere Generation, professionell, asketisch, humorlos, högschde Disziplin, högschde Sprödigkeit. Ach, Enzo! La Boum – wann geht die Fete endlich weiter? Wohl nie.
12.
Kotzfreistoß vom Mann, der nicht mehr Schweini sein will. Aber dass es ein Kotzfreistoß war, das wird man wohl noch sagen dürfen, oder? »Nein, das verbitte ich mir«, faxt Michel Friedman durch. Zu spät.
15.
»Das Ganze sieht aus wie Australien gegen den Kongo 1974«, nörgelt Kollege Jonas, der, genau genommen, damals minus vier Jahre alt war, aber seine gesamte langweilige Jugend in der ewigen Wiederkehr des Gleichen bzw. dem Voralpenland damit verbracht hat, sich WM-Rückblicke reinzuziehen. Also: Chapeau.
17.
Ich werde übrigens irgendwann im Verlaufe dieser Sendung Jonas »Arschloch« nennen, wie ich soeben aus der »Bild« erfahren habe. Also: dranbleiben, liebe Fans!
19.
Müller! Auf Özil! Wie gegen Ghana! Der muss hängen! Aber: Auf die Ränge. Wo die berühmtesten Belgier der Welt sitzen, Jean-Marie Pfaff, Jaques Brel, Tim und Struppi, Jean-Claude van Damme, Eddy Merckx, Justine Henin, äh, das war's. Mit den berühmten Belgiern. Und der Chance. 0:0.
21.
Apropos WM 1974: Ein Stadion mit Laufbahn löst bei mir immer die Angst aus, dass gleich Sparwasser kommt und uns so'n blödes Ding reinkloppt. Diese kalte Schüssel. Brrrrrr. Herbst. Sparwasser. Krieg ich 'n Kaba?
23.
Haben uns jetzt beide auf der Seite »Berühmte Belgier« festgelesen, können nicht weitertickern. Wusstet Ihr, dass Van Damme den Kampfnamen »Muscles from Brussels« trägt? »Und ich bin der Knallboy aus dem Allgäu!«, blökt Jonas, will catchen. Kann er haben.
27.
Klose schießt aus dem Nichts ins Nichts. Panta rhei.
28.
Ah, Podolski spielt auch mit, umläuft die Vorhand, wie einst Steffi Graf die Rückhand umlaufen hat, bis er den Ball auf dem linken Schlappen hat, ist ihm schwindlig. Daneben.
31.
Wilmots, Kompany, Bailly, van Buyten, van Damme. Ein bisschen ist es wie bei einem zehnjährigen Abi-Treffen: Mit ein paar ist man noch in Kontakt, von einem anderen weiß man, was er so gemacht hat die letzten Jahre, und einige sieht man tatsächlich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder.
34.
»Ach, du bist jetzt bei Manchester, hm.« Momentan kommt die Party nicht über bemühten Smalltalk hinaus, vielleicht liegt es an den Lebenspartnern der Bekannten, die man noch nie gesehen hat.
37.
Schocksekunde. Lukaku nur knapp im Abseits, um die Knappheit zu unterstreichen, wartet der Linienrichter dramatisch lange, bis er die Fahne hebt. Dante rastet aus, hat sich zum Schutz aber einen anderen Namen zugelegt, heißt heute Fellaini. Im Gegenzug Müller alleine gegen fünf Belgier. Wird. Nichts. Draus.
40.
Essen gerade die letzten WM-Duplos. Aus Ermangelung an motivierenden Ereignissen auf dem Platz lege ich meine ganze Hoffnung in die Schokoriegel. Wessen Bild wir haben, soll es richten. Drei Versuche: 1. Hitzlsperger, 2. Boateng, 3. Adler. 4. Tschüssi, das wird nichts mehr.
43.
Die belgischen Duplos funktionieren besser, zweimal hintereinander wird es brenzlig im deutschen Strafraum, einmal kriegt Jansen noch das Bein rein, einmal pritscht Neuer den Ball weg. Aufschlag Belgien.
45.
Der kreativste Deutsche momentan: Philipp Lahm. Was kein gutes Zeichen ist. Der kreativste Zwischenstand der EM-Quali: Estland 1 - Italien 0. Was ein immerhin lustiges Zeichen ist.



