Stuttgart-Dortmund im 11FREUNDE-Liveticker
Götzendämmerung
Text: Benjamin Kuhlhoff und Andreas Bock Bild: Imago
Dortmund argumentierte in Stuttgart vor allem in der ersten Hälfte gleich mit drei Hammern und übertraf damit Nietzsches kühnsten Träume. Spätestens nach Mario Götzes Tor war das Spiel gelaufen. Der 11FREUNDE-Liveticker lief mit.
17:15 Uhr
Guten Abend und herzlich willkommen beim Wort zum Sonntag. Wie wir just in jenen Sekunden feststellen, haben wir uns mal wieder beim falschen Spiel akkreditiert. Zwischen Leverkusen und Gladbach steht es aktuell 3:6. Für Leverkusen verbleiben im zweiten Satz dummerweise nur noch zwei Minuten. Und.... Fault! Eine Minute...
17:16 Uhr
Wir geben kurz in die BayArena. Der Kommentator betet diverse Statistiken runter. Gladbach seit 15 Jahren (oder so ähnlich) nicht mehr in Leverkusen gewonnen, letzte Saison nur zwei Auswärtssiege. Wir schauen gebannt auf den Fernseher, erwarten noch drei Tore in den letzten 30 Sekunden. Dann, ja, jetzt... Nein. Wir möchten diese Partie in der Wiederholung tickern. Wenn im Hintergrund nicht diverse Chefs mit Macheten am Schleifstein stehen würden, es gäbe heute eine Liveticker-Revolution.
17:24 Uhr
Also doch VfB-BVB. Beide Teams waren unter Woche in Sachen Europa League unterwegs. Stuttgart spielte 2:2 gegen Bratislava und Dortmund zitterte sich zu einem 1:0 bei Qarabag Agdam in Baku. Souverän wie ein Erdmännchen im Tigerkäfig bei Hagenbeck.
17:29 Uhr
Seitenwahl. Cacau gegen Kehl. Maskottchen Fritzle gegen scih selbst. Dortmund hat Anstoß, der VfB die Seite. Fritzle verpasst sich einen linken Haken. Alle gewinnen. Toll.
1.
Kreuzworträtselfreunde aufgepasst: Gesucht ist ein altbewährtes Ritual zur Eröffnung eines Fußballspiels mit folgenden Hauptdarstellern: zwei Füße, ein Ball, ein Pfiff und sechs Buchstaben. Der Anstoß.
2.
Das Spiel geht los wie die meisten Spiele eben losgehen. Ballgeschiebe. Hier ein Foul. Da ein Haarband. Ein lockerer Aufgalopp. Willkommen auf dem Ponyhof Bundesliga.
4.
Tooooorerotoooor. Marcel Schmelzer bekommt den Ball auf links und schlägt die verünglückteste Flanke der Menschheitsgeschichte. Die sucht sich aus lauter Mitleid den Weg ins Netz. Ulreich, Boulahrouz, Gentner, Niedermeyer sehen allesamt schlechter aus als eine ausgekotzte Pizza Hawai. Jürgen Klopp, dieses Energiebündel, schläft vor lauter Freude ein.
6.
Michael Born, Skys Mann am Mikro, redet Stuttgarts Untergang herbei. Sagt, dass Dortmund den BVB »regelrecht vorführt«. Er scheint ein anderes Spiel zu gucken.
9.
Intime Details aus dem Leben eines Tickerers: Das Gefühl jederzeit ein ödes Wortspiel mit dem Namen Cacau durch den Äther zu hetzen, ist kein schönes. Es ist als sitze man vor einer Kneipe und hat keinen Durst.
11.
In Zeiten der Wirtschaftskrise suchen die Vereine nach kreativen Verdienstmöglichkeiten. Der VfB hat scheinbar einen Schrottplatz hinter dem Tor eröffnet. Die Ludolfs sortieren schon die Außenspiegel, um sechs wird der Laden aufgemacht.
13.
Weidenfeller indes hat in der Schrottlandschaft eine Lego-Duplo-Landschaft ausgemacht. Zimmert zwischen der 12. und 13. Minute ein überdimensioniertes Raumschiff (Modell: »Alien I«) zusammen. Ansonsten ist der Torwart beschäftigungslos.
15.
Experte Kischneck kommt ins Zimmer: »Steht's schon 5:5?« Dann verschwindet er mit großer Sonnenbrille (weiß) und Batik-Shirt (lila/pink) auf ein Nachmittagsrave in Berlin-Kreuzberg. Unschön.
17.
Stuttgart drängt jetzt. Verheddert sich aber immer wieder in der BVB-Abwehr, die momentan schwerer zu knacken ist als ein Dinner-Party-Hummer für einen McDonalds-Mitarbeiter.
19.
Besonders quirlig beim BVB Kagawa. Der 21-jährige Japaner erinnert ein bisschen an das aufgezogene Auto, das man in den 80ern auf den Verpackungen von »Darda« (Mattel) abbildete. Fantastisch, abenteuerlich.
22.
Barrios mit einer Kopfballmöglichkeit. Tasci zupft ein bisschen am Trikot. Barrios auch. Beide böse, beide grimmig. »Da haben sich zwei gefunden! Freunde fürs Leben«, weiß Michael Born, der sich mit beiden prompt hinter der Lego-Landschaft verabredet.
26.
Tor! Barrios schiebt nach schöner Ablage von Großkreutz ein. Das sieht einfach aus wie Eckenrechnen, wird aber in Wahrheit nur möglich, weil ein Stuttgarter dämlich abfälscht. Es zeigt sich wieder einmal: Wer die 80er nicht gelernt hat, sollte nicht grätschen!
28.
Wenn ich nicht eine tiefe Abneigung gegen die Wespen aus Lüdenscheid-Nord spüren würde, würde ich zur hervorragenden ersten halben Stunde gratulieren. Tu ich aber nicht. So!
30.
Stuttgart ist derzeit so hilflos wie ein siamesisches Elefantenbruderpaar, das am Rüssel zusammengewachsen ist und merkt, dass es es Durst kriegt.
32.
Bäh. Gemeines Foul von Hummels an Cacau. Schiedsrichter Gagelmann, der optisch stark an einen amerikanischen Navy-Seal erinnert, versucht brüllend zu beruhigen. Hummels sumst eingeschüchtert davon.
35.
Den Stuttgarter Ultras ist der bescheidene Zwischenstand schnurzpiepegal. Die tanzen, hüpfen, grölen als wäre heute schon die Wasn.
37.
Und schon wieder: Tor. Stuttgarts Defensive sammelt einen kollektiven Assist: Niedermeyer überköpft seinen Torwart, der seinerseits umherirrt wie ein blindes Blindenpony. Dortmunds Götze nickt dankend ein.
39.
Was für ein Sonntag: 6:3, 3:0. New Balls, please. First Service BVB.
41.
Weiter geht es mit dem VfB-Bashing. Born reißt die Klappe auf wie die Leute, die einst Hanns-Martin Schleyer fanden und versenkt Stuttgart mit Betonschuhen im See. Wir sagen: Er hat nicht ganz unrecht.
45.
Halbzeit, liebe Freunde der gepflegten Stolperkunst. Der VfB führt sich hier auf, als spielte man Mau-Mau um den Fritz-Walter-jun.-Cup. Oder den König im Dartweitwurf. Fußball jedenfalls geht anders. Wie genau, erfahren Sie hier: wikipedia.de/fussball.
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