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11.08.2010

Chinesische Investoren in Liverpool

»Es ist schwer zu stoppen«

Interview: Tilo Mahn  Bild: Imago

422 Millionen Euro Schulden beim FC Liverpool. Der Verein sucht einen neuen Investor, die Fans bangen um die Zukunft. Peter Furmedge vom »Supporters Club« in Liverpool spricht über globale Geschäfte an der Anfield Road.

Chinesische Investoren in Liverpool - »Es ist schwer zu stoppen«


Im Februar 2007 hatten die amerikanischen Investoren Tom Hicks und George Gillett den FC Liverpool mit einem Kredit über 265 Millionen Euro bei der Royal Bank of Scotland gekauft. Das Darlehen wurde auf den Verein abgewälzt. Nachdem die Amerikaner ihre Schulden aufgrund der Kreditkrise nicht günstig refinanzieren konnten, müssen sie auf Druck der Bank den Verein wieder verkaufen. Als Reaktion auf den Einstieg der amerikanischen Investoren hatten sich in Liverpool mehrere hundert Fans zum Supporters Club »Spirit of Shankley« zusammengetan. Als wahrscheinlichster neuer Investor für den FC Liverpool gilt Kenny Huang, ein chinesischer Unternehmer, der für die China Investment Cooperation (COC), dem chinesischen Staatsfond, den FC Liverpool übernehmen soll. Peter Furmedge von »Spirit of Shankley« beurteilt das Übernahmegeschäft aus Fansicht.

Peter Furmedge, macht es noch einen Unterschied, welcher Investor bei Liverpool einsteigt?

Für uns zählt nicht so sehr, dass es sich um einen chinesischen Investor handelt. Was uns Sorgen bereitet, ist, dass Herr Huang und seine Partner in Verbindung zu Investment Cooperations stehen. Letztendlich kann man wohl davon ausgehen, dass Liverpool von einem Banker gekauft werden soll. Wir wollen unseren Verein nicht mit Hedgefonds oder anderen Spekulationsgeschäften gesichert wissen.



Welche Lösung wäre ihrer Meinung nach die beste?

Für mich wäre die momentan beste Lösung, wenn die staatliche Royal Bank of Scotland den Verein übernehmen würde. Die Institution, bei der der Klub den Großteil der Schulden hat, sollte mit ins Boot geholt werden. Dann könnte man über ein vernünftiges Modell sprechen.

Die Bank wird ihr Geld irgendwann einmal zurückbekommen wollen.

Ich würde am liebsten persönlich zu Bank gehen, um die Schulden zu begleichen.

Haben Sie es versucht?

Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich bin kein reicher Investor.

Liverpool ist auf reiche Geldgeber angewiesen. Welchen Ausweg gibt es überhaupt?

Natürlich sind wir in einer sehr schwierigen Situation. Unabhängig davon, wer der Käufer von Liverpool sein wird. Wir kennen nie die wahre Motivation, wir kennen das Finanzierungsmodell der Investoren nicht genau. Wir wissen nicht, ob sie dem Verein nicht noch mehr Schulden bringen. Im Moment wissen wir kaum, was die Zukunft bringt. Wir müssen abwarten.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?

Die Verantwortlichen des Vereins geben an, dass nächste Woche die endgültige Entscheidung fallen könnte. Bei den ganzen Verhandlungen ist es für uns Fans allerdings schwer, wirklich Einblick zu bekommen.

Was kann »Spirit of Shankley« in so einer Situation erreichen?

Wir sind offen dafür, mit jedem möglichen Investor zu sprechen. Wir haben uns auch schon an Verantwortliche bei der FA gewandt, um zu erreichen, dass man Investoren daraufhin prüfen sollte, wie sinnvoll deren Engagement ist. Wir haben uns an Supporters Direct und politische Parteien gewandt. Wir versuchen, Verständnis dafür zu bekommen, dass wir mitreden wollen. Und das wollen wir weiter voran treiben.

Stößt Ihr Engagement auf Verständnis?

Es gibt durchaus Verständnis für unsere Anliegen. Aber so, wie die Dinge in Großbritannien momentan liegen, ist es schwer, dem Ganzen Einhalt zu geben. Jeder hat den Eindruck, dass wir uns in einer Entwicklung befinden, die kaum noch zu stoppen ist. Die Vereine werden momentan von einem Besitzer zum nächsten weitergegeben. Und die sind inzwischen meistens vom gleichen Schlag.

Welche Gefahren sehen Sie?

Meine größte Angst ist, dass wir zu Spekulationsgeschäften verkommen. Käufer, die ihr Geld irgendwo auf den Cayman-Islands anlegen und die Vereine nur noch als »Cashcow« für mehr Gewinne sehen, dominieren eine Welt, die eigentlich den Fans gehört.

Sind die Vereine dazu gezwungen, die Verantwortung abzugeben, damit sie weiter existieren können?

Ich hoffe darauf, dass die Verantwortlichen im Verein zu der Einsicht gelangen, dass ohne eine Verbindung zum Fußball keine Zukunft für den Klub besteht. Wir wollen keine Klubbesitzer, die herkommen und sofort alle Entscheidungen an sich reißen wollen. Was künftige Besitzer sehen sollten, ist ein langfristiges Sanieren des Vereins. Und nicht den Anspruch, nur die Schulden des Klubs zu kaufen und damit kurzfristig viel Geld verdienen zu wollen.

Sehen Sie das als realistisches Ziel?

Da es bei uns keine Beschränkungen wie die 50+1-Regel beim Kauf von Vereinen wie in Deutschland gibt, sind wir dem freien Markt noch viel mehr ausgesetzt. Dem entgegen zu wirken, ist eine große Herausforderung. Wir können nur an die Vernunft der Vereinsführung appellieren.






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Kommentare

  • User
  • 11.08.2010 19:37:10 Lederfresse

    422 Mille Schulden, wie geht den sowas bitte. Kpitalismus sind nicht nur Schweinehälften ist klar, aber gibt es in England keine Lizensierung? Dann schon lieber United Club Of Manchester !!!!!!

  • User
  • 11.08.2010 19:51:05 Emperor1982

    @Lederfresse: Nur mal zur Info: Manchester United hat laut Spiegel Online momentan sogar mehr als 800 Millionen Euro Schulden!


    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,673265 ,00.html

  • User
  • 11.08.2010 20:01:35 gelsenkirchen

    tja, das "wunderprodukt" premier league frisst sich selber auf. es könnte mir nicht egaler sein.

  • User
  • 11.08.2010 20:28:10 Lederfresse

    Nur zur Info Schlaumeier : United Club of Manchester ist nicht!!!!!!!!!!!!!! Manchester United ( mach dich schlau )

  • User
  • 11.08.2010 20:38:09 varasdates

    Lederfresse, den Verein, den Du meinst, heißt Football Club United of Manchester.

  • User
  • 11.08.2010 21:49:04 Lederfresse

    na dann hats ja einer kapiert

  • User
  • 11.08.2010 22:29:50 UrmelAusmEis

    422 Mio., 800 Mio., oder auch nur 500.000 bei einem Viertligisten:

    Nicht die Höhe der Schulden ist entscheidend, die Art ist es. Manchester ist hochverschuldet und trotzdem noch profitabel, Liverpool hingegen ist in einer Abwärtsspirale, die entweder auf einem asiatischen Wühltisch oder im Ligamittelmaß (bestenfalls!) enden wird.

  • User
  • 12.08.2010 17:14:26 Rhoenschaf

    UrmelAusmEis hat es erfasst.
    Nicht die Höhe der Schulden ist entscheiden sondern die "Systemrelevanz" wir haben doch alle in der Bankenkrise gelernt das die "richtigen" Schulden machen können bis der Arzt kommt und es wird mit Sicherheit jemanden geben der die Schulden begleicht....wenns nix mehr zu holen gibt dann eben der Steuerzahler.
    Ist doch bei uns nicht anders, Vereine wie S04 oder der BVB wären schon längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden wären sie nicht irgendwie wichtig für das System Fußball für das System "Brot und Spiele".
    Deshalb ist es völlig Wurscht ob ein Verein wie Manu, Real oder Inter 400, 800 oder eine Milliarde Schulden hat.

  • User
  • 12.08.2010 18:03:31 Marco Polo

    Um das ein wenig zu verbessern. Es kommt darauf an, dass die Einnahmen immernoch höher sind als die Ausgaben inklusive Kreditrückzahlung. Dann hat man nämlich lediglich die Bilanz verlängert, aber die Schulden drücken die eigene Liquidität nicht. Das ist dann normale Verschuldung. im Gegensatz zur Überschuldung, die dann Eintritt wenn man als Unternehmen die Forderungen entweder gar nciht oder nur sehr schwer bedienen kann.
    Vereine wie Real oder ManU haben derartig große umsätze, dass sie sich derartige Schuldenberge lesiten können. Nicht zuletztd eswegen, weil sie in Spanien schon seit Jahrzehnten im zweifel ein Superreicher findet, der das Schuldenloch stopft und sich dann dafür Prsäsident des bereins nennen darf.
    Das Prinzip Vereine zu kaufen haben nicht die Inselaffen erfunden, sondern die Spanier und das schon vor geraumer Zeit.

    Weiteres beispiel ist Bayern München: Die haben derzeit auch noch ziemlich viel Schulden durch ihr Unternehmen der Allianz Arena GmbH, die die Schulden für die Arena in der Bilanz führt. Allerdings können diese locker aus dem Stadionbetrieb getilgt werden, so dass keiner davon redet, dass Bayern noch 100 mio € Schulden hat. Das ist auch deswegen kein Problem weil dafür das Stadion auf der Haben Seite steht.

  • User
  • 13.08.2010 16:30:09 MarcRamone

    Leider gibt es sowas nicht von Fußballvereinen...

    (Ganz rechts ist auch UK und Deutschland zu sehen)

  • User
  • 14.08.2010 02:37:10 UrmelAusmEis

    Danke Rhönschaf, dass Du mir attestierst, es erfasst zu haben.

    Aber eigentlich hab ich was völlig anderes erfasst als Du. Meine Differenzierung in Sachen Schulden kommt nämlich völlig ohne Verschwörungstheorien von Systemimmanenz oder politischer Begünstigung aus.

    Daher hat meiner Meinug nach der Marco Polo das, was ich Deiner Meinung nach erfasst habe, besser als Du erfasst.

  • User
  • 14.08.2010 22:50:27 tafelrunde

    Es ist weit gekommen. Neben der Werbung und der Architektur glaubt inzwischen jeder, auch zu wirtschaftlichen Dingen eine oft dramatisch begründete Meinung äußern zu müssen. Fachkenntnisse oder Logik stören da eher.

    @Marco Polo und seine Beisteher mögen sich da ausgenommen fühlen;-)

    Der Kern dieser Problematik ist doch dabei vielmehr, was den eigentlichen Ausgangspunkt dieser meldungsrelevanten Nachricht betrifft. Den Fußball an und für sich. Und eben auch den Grad der Systemrelevanz, a la Brot%Spiele (das % ist bewusst so gesetzt).

    Der Fußball und seine Welt repräsentieren mal wieder aufs Getreueste die reale Welt. Genau das macht die Faszination für den ganzen Globus (die Amis werden‘s nie begreifen, warum ist ein Rätzel) aus: Macht, Geld, Gier, Aufrichtigkeit, Idealismus, Emotion. Die ganze Bandbreite eben.

    Will jemand ernsthaft englische, aber gnadenlos realitätsnahe Verhältnisse? Die Insulaner schauen mit Recht neidisch auf die „bloody germans“ und ihrer 50+1-Regel.

  • User
  • 15.08.2010 00:26:41 sobrasado

    Seit Gruendung der premiere League haben doch nur die "fabulous four" so richtig profitiert. Titel gewinnen doch seitdem immer die selben Vereine.
    Das schadet dann erstmal der Liga. Staendig gewinnen die Grossen gegen die kleineren und Kleinen, erst heute wieder Chelsea 6:0
    Irgendwann hatte dann Arsenal als erstes Team keinen einzigen englischen Spieler mehr in der Startformation.
    Das schadet dann ein wenig spaeter auch der Nationalelf. Das die paar englischen Spieler neben den tollen, supertalentierten Topstars aus dem Ausland gut aussehen taeuscht dann darueber hinweg, dass sie alleine eben nur Mittlemass sind.

    Aktuelleste Zuspitzung der monetaeren Perversion ist Man City. Dort kauft man Spieler, die fuer 4 Mannschaften reichen. Die laufen dann alle herum und kuessen nach einem Tor das Vereinswappen.
    Was meint ihr eigentlich was los ist, wenn ein Abramowitsch oder dieser andere Scheich keine Lust mehr haben?

  • User
  • 15.08.2010 23:46:53 einrudithömmes

    Ein Fundstückchen:

    Es ist weit gekommen. Neben der Werbung und der Architektur glaubt inzwischen jeder, auch zu wirtschaftlichen Dingen eine oft dramatisch begründete Meinung äußern zu müssen. Fachkenntnisse oder Logik stören da eher.


    Um dann aber auch gar nichts zur Sache beizusteuern. Großartig. Was stört dich denn, tafelbrötchen? Dass du durch die Dekoration mit den Begriffen %, bloody germans und 50+1 den anderen Foristen zeigst, wo der Hammer hängt? Na denn, congratulations, dass mal hammerhart fachkenntlich und logich (das s fehlt bewusst) fundiert.

    Zum Thema: Offenbar glaubt man doch, mit Fußball immer mal 'nen schnellen Euro zu machen. Erstaunlich anhand der doch relativ geringen Umsätze der Clubs. Selbst so ein vermeintliches Schergewicht wie Liverpool wird da zum Übernahmekandidat. Mal ehrlich, 217 Millionen (wenn's denn stimmt) und damit ist man dann schon in den Top10 (weltweit!), das ist doch lächerlich und hat beinahe keine weltwirtschaftlicher Relevanz. Und Rohstoffe können die Chinesen viel besser. Ich sach' mal, Schuster, bleib bei deinen Leisten, das geht total in die Rothose.

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