Bobby Charlton, tragischer ManU-Held
Munich on my mind
Text: Ulrich von Berg Bild: Imago
Als Junge war Bobby Charlton nach Belgrad geflogen, als Mann kehrte er zurück. Als einer von wenigen ManU-Spielern hatte er das Unglück von München überlebt – und wollte von nun an dem Tod einen Sinn geben.
Totenstille herrschte vor kurzem in der Kabine von Manchester United. Da saßen sie alle versammelt und starrten wortlos in die Runde. Sir Alex Ferguson hatte einen Gast ins Innere mitgebracht – Sir Bobby Charlton.
Er erzählte von den Busby Babes, von seinen damaligen Mitspielern, von einer Mannschaft, deren Mitglied er war und die 1958 endgültig im Begriff war, sich für die kommende fußballerische Dekade in die Geschichtsbücher einzutragen.
Doch das verhinderte ein Flugzeugabsturz vor 50 Jahren in München. Einige aktuelle ManU-Akteure, kaum älter, oft gar im gleichen Alter wie die damals Verunglückten werden wohl glasige Augen bekommen haben, zumindest dürfte ihnen ein Schauer über den Leib gefahren sein. Denn da vorne stand kein alter Mann, der in ungreifbaren Erinnerungen schwelgte, sondern Bobby Charlton, der ihnen das Bewusstsein, die Bedeutung und Verantwortung zugleich ins Gewissen rief, ein Spieler der »Red Devils« sein zu dürfen, in direkter Linie zu jenen legendären Busby Babes.
»Er sagte mir, dass ich etwa zehn Minuten bewusstlos war«
Bobby Charlton überlebte das Unglück körperlich fast unverletzt, wohingegen acht Mitspieler starben. »Ich habe noch im Sitz gesessen, aber das Flugzeug war ungefähr 70 Yards von mir entfernt. Dann habe ich mich umgeschaut und Harry Gregg neben mir gesehen. Er sagte mir, dass ich etwa zehn Minuten bewusstlos war«, schrieb er im Buch »My Manchester United Years«.
Am 11. Oktober 1937 in Ashington, Northumberland, geboren, spielte Robert »Bobby« Charlton ab 1954 nicht weniger als 754-mal für ManU, dabei erzielte der Mittelfeldspieler 247 Tore. Über 19 Jahre lang blieb Manchester United die fußballerische Heimat. Für die Three Lions, die Nationalmannschaft, stand er in 106 Partien auf dem Feld, in denen er 49 Tore schoss. Bis heute noch die Rekordmarke für das Nationalteam. Er war drei Mal englischer Meister, FA-Cup-Sieger 1963, wurde mit Manchester United 1968 Europapokalsieger der Landesmeister, Englands Fußballer des Jahres, Europas Fußballer des Jahres (beides 1966) und bekam im Wohnzimmer des englischen Fußballs, Wembley, den Coupe Jules Rimet überreicht. England hatte die BRD im mystischen WM-Finale 1966 besiegt. Im Jahr 1969 ernannte man Charlton zum Order of the British Empire (»OBE«), 1994 wurde er von der britischen Königin zum Ritter geschlagen und 2002 in die neu gegründete englische »Football Hall« of Fame aufgenommen. Nach einem einjährigen Spielertrainer-Intermezzo bei Preston North End (1973/74) und einem Kurzauftritt beim irischen Vertreter Waterford United kehrte er in den Achtzigern zurück nach Manchester und begleitet seitdem ein Vorstandsamt und ist für ManU bis heute hauptsächlich repräsentativ tätig.





