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Im 11FREUNDE-Quartier: Das WM-Museum

Diegos Rosenkranz aufgetaucht

Text: Mike Draegert  Bild: Mike Draegert

Unserem Museumsleiter Mike Draegert wurde jüngst der Perlen-Rosenkranz zugespielt, den Diego Maradona während der WM in Südafrika etwa 29768 Mal durch seine Finger gleiten ließ. Mehr Fundstücke seht ihr im WM-Museum.

Im 11FREUNDE-Quartier: Das WM-Museum - Diegos Rosenkranz aufgetaucht


Trotz intensiver Faustgebete und Streicheleinheiten wollte die heilige Kette in der linken Hand des argentinischen Trainers am Nachmittag des 3. Juli keine Schützenhilfe von oben wecken. Statt Wunderkind Messi endlich torbringende Flügel zu verleihen, schien der Rosenkranz zwischen Maradonas nervösen Fingern hingegen ab der ersten Spielminute Siegkräfte für den Gegner zu bewirken: Denn nach jedem behutsamen Kuppendruck auf Inri und Marienbild folgte prompt ein Treffer für Deutschland. Als Gaucho-Keeper Sergio Romero nach 74 Minuten bereits 3 mal hinter sich gegriffen hatte, ließ Maradona die Perlen-Reliquie in seiner Jackettasche verschwinden und wickelte sich für die verbleibende Viertelstunde ein Exemplar aus Ebenholz ums Handgelenk - was am Spielausgang und WM-Niedergang für Argentinien jedoch auch nichts mehr ändern sollte. »Dieses 0:4 ist die größte persönliche Niederlage meines Lebens«, trauerte der gekränkte bärtige Mann im grauen Zwirn, dem der liebe Gott nicht mal den kleinen Finger seiner helfenden Hand reichte.

Weitere Fundstücke seht ihr in unserem WM-Museum im 11FREUNDE WM-Quartier. Zu nahezu allen Weltmeisterschaften stellt unser Experte Mike Draegert Exponate aus: Das Glas, aus dem Pele 1958 seinen Cognac trank, um die flatternden Nerven zu beruhigen. Den Damen-Ohrring von Johan Cruyff, den eine unbekannte Rothaarige vor dem WM-Finale 1974 in seiner Bettritze hinteließ. Rudi Völlers bespuckte Haarlocke nach dem Duell gegen Holland bzw. Frank Rijkaard im Achtelfinale von 1990.



Das WM-Museum ist ein Ausstellungsprojekt von 11Freunde und »Ballsaal«.


Hier eine Vorschau auf acht Fundstücke:




WM 1970
Schulterbandage
Franz Beckenbauer
Aztekenstadion, Mexico City

Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit im dramatischsten WM-Halbfinale aller Zeiten stürzte Franz Beckenbauer unglücklich auf seinen rechten Arm. Dass er sich in diesem Moment das Schlüsselbein angebrochen hatte, diagnostizierte Mannschaftsarzt Schoberth erst viel später. Da Beckenbauer aufgrund eines ausgeschöpften Auswechselkontingents weiterspielen musste, wurde die lädierte Schulter eilig mit einer Armschlinge bandagiert. Dann hieß es für den jungen Kaiser, bei 45 Grad im Schatten und unter wehenden Schmerzen 30 weitere Minuten zu überstehen, denn Kollege Schnellinger hatte soeben den 1:1-Ausgleich erzielt und Deutschland in die Verlängerung geschossen. Dass diese trotz zwei weiterer Tore durch Gerd Müller mit einer 3:4-Niederlage gegen Italien endete, schmerzte Beckenbauer am Ende noch mehr, als der angeknackste Knochen. (Text/Foto: Mike Draegert)


Fotostrecke

  • WM 1970<br />
Schulterbandage<br />
Franz Beckenbauer<br />
Aztekenstadion, Mexico City<br />
<br />
Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit im dramatischsten WM-Halbfinale aller Zeiten stürzte Franz Beckenbauer unglücklich auf seinen rechten Arm. Dass er sich in diesem Moment das Schlüsselbein angebrochen hatte, diagnostizierte Mannschaftsarzt Schoberth erst viel später. Da Beckenbauer aufgrund eines ausgeschöpften Auswechselkontingents weiterspielen musste, wurde die lädierte Schulter eilig mit einer Armschlinge bandagiert. Dann hieß es für den jungen Kaiser, bei 45 Grad im Schatten und unter wehenden Schmerzen 30 weitere Minuten zu überstehen, denn Kollege Schnellinger hatte soeben den 1:1-Ausgleich erzielt und Deutschland in die Verlängerung geschossen. Dass diese trotz zwei weiterer Tore durch Gerd Müller mit einer 3:4-Niederlage gegen Italien endete, schmerzte Beckenbauer am Ende noch mehr, als der angeknackste Knochen. (Text/Foto: Mike Draegert)
  • WM 1954<br />
Injektionsbesteck<br />
Prof. Franz Loogen <br />
DFB-Quartier Strandhotel Belvedere, Spiez<br />
<br />
Bei Entrümpelungsarbeiten in den Kellerräumen des Schweizer Strandhotels kam Ende der neunziger Jahre ein Spritzbesteck-Täschchen von Professor Franz Loogen ans Tageslicht. Kurz vor dem Wunder von Bern hatte der damalige DFB-Arzt der Mannschaft zur Leistungssteigerung heimlich eine Amphetamin-Injektion verabreicht, die Fritz Walter und Co. neben dem Titelgewinn auch eine Gelbsucht bescherte. Es sollten 40 Jahre vergehen, bis sich einige der noch verbliebenen Helden von Bern erstmals trauten, mit dem Malheur ihres ehemaligen medizinischen Betreuers an die Öffentlichkeit zu treten.
  • WM 2006<br />
Voodoo-Puppe<br />
Stephen Appiah<br />
Müngersdorfer Stadion, Köln<br />
<br />
Vor dem Duell gegen Favorit Tschechien führte das ghanaische Nationalteam abseits der Öffentlichkeit und unter Anleitung von Mannschaftskapitän Stephen Appiah ein geheimes Voodoo-Zeremoniell in der kerzenbeleuchteten Umkleidekabine durch. Die von Trommeln begleitete Beschwörung mit punktierter Puppe und blauroten Nadeln auf gewachsten Hühnerkrallen wurde von den afrikanischen Fußballgöttern erhört und bescherte dem WM-Debütanten mit einem 2:1-Sensationssieg gegen Rosicky und Co. den Einzug ins Achtelfinale. (Text/Foto: Mike Draegert)
  • WM 1958<br />
Cognacglas<br />
Pelé<br />
Rosunda-Stadion, Stockholm<br />
<br />
Kurz vor seinem ersten WM-Endspieleinsatz beruhigte der gerade 17 Jahre junge Edson Arantes do Nascimento auf Anweisung des brasilianischen Trainers Vicente Feola mit etwas Cognac die flatternden Nerven. Der hochprozentige Schluck sollte sich als Zielwasser für den Benjamin erweisen: Pelé gelangen beim 5:2-Sieg gegen Finalgegner Schweden zwei Treffer. Einer davon ging als Wundertor in die Fußballgeschichte ein und machte den jüngsten WM-Final-Debütanten aller Zeiten über Nacht zum Weltstar. So aufgeregt Pelé vor dem Spiel war, so gelassen kommentierte er nach Abpfiff jenes Tor mit den Worten: »Ich stand mit dem Rücken zum Tor, stoppte den Ball mit dem Oberschenkel, kickte ihn mir selbst über den Kopf, drehte mich um und schoss.« (Text/Foto: Mike Draegert)
  • WM 1990<br />
Haarlocke <br />
Rudi Völler<br />
Giuseppe Meazza Stadion, Mailand <br />
<br />
Die speicheltriefende Haarlocke von »Tante Käthe« ist das organische Relikt eines der feuchtesten Prestigeduelle zwischen Deutschland und Holland: Rudi Völler und Frank Rijkaard wurden nach einer Auseinandersetzung im Achtelfinale beide vom Platz gestellt. Dass der Streitprovokant Rijkaard dem deutschen Stürmer dabei hinterrücks zweimal kräftig in die Frisur spuckte, sahen alle, außer dem Schiedsrichter. Nur mit Hilfe einer Nagelschere konnte sich Völler später in der Kabine der klebrigen Spuren des niederländischen »Lamas« entledigen. (Text/Foto: Mike Draegert)
  • WM 1982<br />
Schneidezähne<br />
Patrick Battiston<br />
Stadion Manuel Ruiz de Lopera, Sevilla<br />
<br />
Als Patrick Battiston nach einem Konter allein auf das deutsche Tor zustürmte, wusste sich Torwart Toni Schumacher nur noch in Kamikaze-Manier zu helfen: Mit angezogenen Knien sprang der deutsche Keeper dem tricolore-Star fron- tal entgegen und verursachte damit eine schmerzvolle Landesfehde, die von den Franzosen lange unverziehen blieb: Battiston brach sich bei dem brutalen Zusammenprall einen Halswirbel und verlor beide Schneidezähne. Mit schwerer Gehirnerschütterung musste er vom Platz getragen werden. Schumacher, der dafür nur die gelbe Karte sah, blieb ungerührt: »Dann zahl’ isch ihm halt die Jacketkronen« waren die wenig schuldbewussten Worte des Rambos vom Rhein, der für seine Abschlachtparade noch Monate später Morddrohungen von französischen Fans erhielt. (Text/Foto: Mike Draegert)

Kommentare

  • User
  • 15.06.2010 18:37:28 Konfuzius_sagt

    Ghana kam 2006 leider nur bis ins Achtelfinale...

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