Aki Schmidt wird heute 75
»15 Jahre voraus«
Text: Stefan Reinke Bild: Imago
Aki Schmidt wird heute 75 Jahre alt. Der ehemalige BVB-Profi gewann in seiner Karriere zwei Meisterschaften, den DFB-Pokal und den Europacup der Pokalsieger. Ein Gespräch über Drohungen und das Finale von 1966.
Herr Schmidt, mit welchen Gefühlen ist die Mannschaft damals nach Glasgow gereist? Der BVB war ja international keine besonders bekannte Adresse.
Es stimmt nicht, dass wir nicht bekannt waren. Man kannte uns ja noch vom 5:0 gegen Benfica Lissabon und unseren Sieg bei Dukla Prag, die viele Jahre zu Hause nicht verloren hatten. Da haben wir 4:0 gewonnen. Wir waren in Europa schon ne Nummer. Wir sind 1964 erst im Halbfinale gegen Inter Mailand ausgeschieden. Aber das Spiel konnten wir auch nicht verlieren.
Warum?
Der Schiedsrichter war gekauft. Der wurde später auch gesperrt und durfte nie wieder pfeifen. Der hatte eine goldene Uhr bekommen, hieß es. Ich stand ja daneben, als der Suarez den Hoppy Kurrat getreten hatte. Wir hatten ja auch ne Menge Nationalspieler in der Mannschaft und einen eingespielten Abwehrblock mit Paul und Kurrat. Kurrat war einmalig in Deutschland, der hatte es eigentlich verdient, Nationalspieler zu werden. Dahinter mit Tilkowski der beste Torwart Deutschlands. Und dann kamen ja noch Siggi Held und Stan Libuda zu uns. Dadurch bekamen wir eine völlig andere Qualität im Sturm. Emma (Lothar Emmerich, die Red.) blühte auf. Vorher ahnte ja keiner, dass der so viele Tore schießen würde. Und Friedhelm Groppe, den Vorstopper, darf man nicht vergessen. Der hatte ja immer gespielt, bis er verletzt wurde. Erst danach hat Assauer gespielt. Rudi war Reservemann.
Was war Ihre Rolle in der Mannschaft?
Durch diese starke Abwehr konnte ich davor mein Spiel machen. Ich war nach hinten abgesichert und hatte freie Hand. Ich konnte nach vorne oder nach hinten machen, was ich wollte. Ich habe unser Spiel gemacht, sehr viel direkt gespielt und konnte dadurch die Stürmer, also Siggi Held, Emma oder Stan Libuda, wunderbar einsetzen.
Das war auch eine recht alte Mannschaft, oder?
Ja, die war schon ziemlich alt. Herberger hatte damals gesagt: »Diese Mannschaft ist ihrer Zeit von der Anlage her 15 Jahre voraus.« Der Seppel hat dabei aber vergessen zu sagen, dass diese Mannschaft relativ alt war. Ich zum Beispiel. Ich war ja der Älteste. Das Finale 1966 war ja mein Höhepunkt, das wollte ich noch haben. Danach habe ich es dann auch viel, viel langsamer gehen lassen und nur noch sporadisch gespielt.
Und auf die alten Haudegen wartete nun der große FC Liverpool. Hochbezahlte Vollprofis, eine der führenden Mannschaften Europas, gespickt mit Nationalspielern.
Liverpool war für uns Favorit. Die kamen auch mit 'ner breiten Brust als englischer Meister. Der Bill Shankley tönte ja, es käme nur auf die Höhe des Sieges an. Das war für uns natürlich Motivation genug. Da brauchte der Trainer gar nichts mehr zu sagen. Die hatten eine riesengroße Schnauze vorm Spiel, da hatten wir uns schon etwas gewundert. Natürlich kannten wir den englischen Fußball und wussten, dass die konditionsstark und schnell waren. Aber die waren nicht besonders raffiniert in ihrer Art zu spielen. Wir hatten ja alle oft genug gegen Engländer gespielt. Für uns war wichtig, dass wir unser Spiel selbst machen konnten. Wie in der Liga auch. Wir haben immer ein bisschen aus der Defensive gespielt und den Gegner immer etwas kommen lassen und waren dann mit Siggi Held, Stan Libuda und Emma die beste Kontermannschaft. Das kam uns auch gegen die Engländer entgegen. Trotzdem hatte der Fischken Multhaup vor dem Spiel 'ne Mannschaftssitzung gemacht, da haben die Fenster geklirrt. »Ihr hört ja, was die Liverpooler sagen. Es kommt nur noch auf die Höhe an. Es ist so! Die sind haushoher Favorit. Wenn wir zehn Mal gegen die spielen, verlieren wir neun Mal. Einmal gewinnen wir – und das ist heute. Merkt Euch das!« Und dann hat der losgelegt, so richtig olle Dinger von Mamas Herd. Aber das hat der ja immer gerne gemacht. Wenn wir auswärts gespielt haben, hat er gesagt: »Wenn wir einen Punkt holen, dann sind wir im Soll. Sollten wir aber zwei holen, dann können wir einen auf den Kamin legen für ganz schlechte Zeiten.« Das hat bei uns gezündet, seine Art und Weise kam gut an bei uns.
Wie haben Sie die Stimmung im Stadion mitbekommen?
Es war sehr laut. Es war eben ein Endspiel. Das waren ja hauptsächlich Liverpool-Fans und ein paar Schotten. Das war ein Heimspiel für die. Es waren auch viele Dortmunder da, aber die haben wir auf dem Platz gar nicht gehört. Für uns war das ein Auswärtsspiel.
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