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10.09.2010

Günther Glomb: Fußball und Student

»Ich war die Intelligenzbestie«

Text: Günther Glomb, Protokoll: Alex Raack  Bild: FCN-Archiv Frank König

In den fünfziger Jahren ist Günther Glomb einer der Stützpfeiler vom 1. FC Nürnberg. Zwischen Meisterschaftsspielen und Training zieht der Vollwaise sein Ingenieursstudium durch. Hier erzählt vom »Stiftenschloss« und Bimbo Binder.

Günther Glomb: Fußball und Student - »Ich war die Intelligenzbestie«


Ich war 20 Jahre alt, als ich die Möglichkeit hatte den 1. FC Nürnberg Fußball zu spielen und soll ich ihnen etwas verraten: Hätten die damals Geld dafür verlangt, ich hätte noch welches mitgebracht. Ein paar Mark hatte ich Sommer 1951 jedenfalls schon selbst verdient. Mit 15 war ich als Flüchtlingskind aus Oberschlesien nach Nürnberg gekommen. Meine Eltern waren tot, ich war ganz allein. Weil ich etwas englisch konnte, wurde ich »kitchen boy« in amerikanischer Gefangenschaft – mein erster Job.



Wenig später erwischten mich die Behörden, ich wurde als »streunende Jugend« eingestuft und kam ins Waisenhaus. Dort mussten wir automatisch eine Lehre beginnen, also habe ich Maschinenschlosser gelernt. Job Nummer zwei. Kurz darauf, ich kickte bereits bei TuSpo Nürnberg, schaffte ich auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur – ich wollte schließlich unbedingt studieren. 1951 durfte ich dann zum Club, ich wäre wohl auch auf Händen zum Training gelaufen. Mit den 80 D-Mark Grundgehalt konnte ich bei uns im Lehrlingsheim natürlich ordentlich auf dicke Hose machen.

»Günther, wir sind doch eine Familie!«

Mit 21 Jahren war das vorbei, ich musste raus dem »Stiftenschloss«. Plötzlich hatte ich das Angebot zum KSC zu wechseln, aber unser Präsident, Rechtsanwalt Ludwig Franz, hat mich bekniet: »Günther, wir sind doch eine große Familie!« Also bin ich geblieben – auch weil er mir einen Studiumsplatz in Nürnberg besorgte. Gepaukt habe ich auf Auswärtsfahrten und im Hotel – Franz hatte mir Einzelabteile und Einzelzimmer besorgt, damit ich in Ruhe lernen konnte. Die anderen Jungs haben derweil Karten gedroschen – und wie! Rechtsanwalt Franz verbot irgendwann gar das Kartenspielen, als er mitbekommen hatte, dass unser Trainer Bimbo Binder selbst in der Halbzeitpause als erste Anweisung regelmäßig durchgegeben hatte: »Los Männer, schnell durchmischen!«

Da war ich also, der Student. Was haben mich die Kollegen damit aufgezogen, allen voran Max Morlock, bei dem ich zur Untermiete im Dachgeschoss wohnte! Ich war der »Studikus«, der »Direktor.« Als wir Anfang der fünfziger Jahre mit dem Club als eine der ersten deutsche Mannschaft in die USA flogen und den Journalisten Interviews geben mussten, hieß es immer: »Das macht der Glomb, unsere Intelligenzbestie!« Drei Jahre später war aus dem Streuner Glomb der Maschinenbau-Ingenieur Glomb bei Siemens geworden. Mein dritter Job. Vormittags Panzer vermessen und abends Training, das war mein Alltag.

Cramer schickte mich nach Thailand

Später habe ich noch umgelernt, wurde Fußball- und Sportlehrer in Köln. Dettmar Cramer hat mich in den sechziger Jahren nach Thailand geschickt, nach meiner Rückkehr war ich Vertreter für Puma. Die Berufe vier, fünf und sechs. Übrigens: Der Club hat dann doch kein Geld von mir verlangt. In 166 Oberligaspielen musste ich keinen Pfennig bezahlen...



Ergänzung zu 11 FREUNDE-Spezial: 50er

Das waren die Fünfziger






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Kommentare

  • User
  • 10.09.2010 14:16:03 lokomotive74

    Ich hatte vor ca. einem halben Jahr die Gelegenheit mir Herrn Glomb zu sprechen. Ein sehr angenehmer Mensch. Glomb führte die thailändische Nationalmannschaft 1968 zum zweiten und bis dahin letzten Mal zu den Olympischen Spielen. Er hatte während seiner Zeit in Thailand 5 Audienzen beim König. Nicht alltäglich. Nach dem es Thailand gelang bei dem olypmischen Turnier ein Tor zu erziehlen durften er und seine Mannschaft 4 Wochen durch die USA reisen.

    thai-fussball.de

  • User
  • 10.09.2010 16:28:25 Will_Hegermeister

    Die anderen Jungs haben derweil Karten gedroschen – und wie! Rechtsanwalt Franz verbot irgendwann gar das Kartenspielen, als er mitbekommen hatte, dass unser Trainer Bimbo Binder selbst in der Halbzeitpause als erste Anweisung regelmäßig durchgegeben hatte: »Los Männer, schnell durchmischen!« *gefällt mir*

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