Zur Stadiondiskussion in Saarbrücken
Bühne ohne Show
Text: Richard Grossmann Bild: Imago
Der 1. FC Saarbrücken ist wieder da, wo er nach Meinung der Anhänger wieder hingehört: Im Profifußball. Um sich dauerhaft zu etablieren fehlt nur noch ein neues Stadion. Doch der Klub steckt in einer echten Zwickmühle.
Sie haben tief durchgeatmet an der Saar. Seitdem man beim 1. FC Saarbrücken die Regionalliga nach oben hin verlassen hat, ist die Sehnsucht nach großem Fußball ein kleines bisschen gestillt worden. Es waren zwei harte Jahre, die der Verein in den Unweiten einer Wüste verbracht hatte, die sich da Amateurfußball nennt. Und der Durst, der die ohnehin leidgeprüfte Anhängerschaft des FCS befallen hatte, war immens gewesen. Er war von solchem Ausmaß, dass die Mannschaft im Jahr 2009 von tausenden Anhängern zum Saarderby in Homburg begleitet wurde. Die Gästekurve im Waldstadion des ortsansässigen FC 08 glich an diesem sonnigen Nachmittag einem sehnsuchtsdurchtränkten Liebesbrief an den blau-schwarzen Club aus der Landeshauptstadt. Eingerahmt von zahlreichen bengalischen Fackeln schmückte beim Einlauf der Mannschaften ein Banner die Kurve, auf dem nur das Wort »Saarbrücken« zu lesen war. Dieses Stück Stoff schien die Hoffnung einer ganzen Stadt auf Erlösung zu tragen. Als die Gäste den Ausgleich schossen, stand nicht nur die Kurve erneut im Rauch, sondern es brannten auch viele Herzen unter den Trikots der Spieler, die zu den Fans gelaufen kamen, um mit ihnen das Tor zu feiern.
Vor Rund 240 Jahren muss eine ähnlich leidenschaftliche Beziehung Anlass für die Erschließung jenes Geländes gewesen sein, auf dem die Blau-Schwarzen heute ihre Heimspiele austragen. Fußball an der Saar war, wie im Rest der Welt, ein noch weitgehend unbekannter Sport, sodass auch für den Fürsten Ludwig die Beziehung zu einem entsprechenden Verein nicht möglich war. Die Liebe zu Frauen aber hegte er umso intensiver. Neben der Ehe unterhielt er eine weitere Liebschaft zu einer bürgerlichen Frau, dem sogenannten »Gänsegretel von Fechingen«. Dieser Angebeteten ließ er 1769 ein von groß angelegten Parks umgebenes Lustschloss errichten. Nach der Zerstörung der weitläufigen Anlage samt Gebäude im Zuge der französischen Revolution wurde das Gelände des Ludwigsparks lange danach, bei der Suche nach Bauland für ein neues Fußballstadion, als besonders geeignet erachtet.
Auf der Suche nach dem Fußball-Tempel
Seit 1953 spielt der FCS im Ludwigsparkstadion und nun sind Verein und Politik erneut mit der Frage nach einem neuen Fußballtempel für die Stadt beschäftigt. Zu den Protagonisten des Themas Stadion gehört mitunter auch die Wirtschaft. Dass die öffentlichen Mittel äußerst begrenzt sind, ist hinlänglich bekannt; so werden für entsprechende Projekte nicht nur im restlichen Deutschland Kontaktanzeigen an privatwirtschaftliche Investoren aufgegeben, sondern auch an Saar.
Hauptadressat von Stadt und Verein ist dabei der Geschäftsmann und Hauptsponsor des FCS, Hartmut Ostermann. Mit seinem Unternehmen scheint er seit Jahren der einzige zu sein, der bereit ist, die Blau-Schwarzen in einer finanziellen Größenordnung zu unterstützen, die es dem Verein ermöglicht, unter professionellen Bedingungen Fußball zu spielen. Auch andere Sponsoren halten dem Club schon länger die Treue, allerdings mit deutlich geringeren Zuwendungen. Weitere Geldgeber zu gewinnen, gestaltet sich als schwierig. Vereinspräsident Hinschberger »Grundvoraussetzung für eine höhere Attraktivität des 1. FC Saarbrücken ist natürlich ein modernes Stadion.« Seiner Einschätzung nach »kann ein Sponsor ohne neues Stadion das Sponsoring in der Höhe und der Form nicht dauerhaft weiterführen.«
Hat der Hauptsponsor 60 Millionen Euro Schulden?
In diesem Fall scheint nicht nur das Stadion ein Faktor zu sein, der für eine Fortsetzung des Engagements des Hauptsponsors ausschlaggebend sein könnte. Vielmehr vermelden die Medien dieser Tage, dass der Unternehmer mit seiner Hotelgruppe im letzten Jahr eine Steuerschuld von 60 Millionen Euro aufwies. Aufgekommen war diese Zahl durch ein Mitglied des Untersuchungsausschusses, der im Zusammenhang mit Ostermanns ungeklärter Rolle bei der letzten Landtagswahl und der damit einhergehenden Koalitionsbildung ins Leben gerufen wurde. Von Parteispenden und angeblichen Steuererleichterungen für das FDP-Mitglied war die Rede.
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