Stammplatz im Rollstuhl
Hauptsache Fußball
Text: Henning von Pawel Bild: Imago
Björn Meyer hat nie laufen gelernt. Trotzdem reist er jedes Wochenende im Rollstuhl in die Fußballstadion rund um Hamburg. Denn egal welche Liga und welche Mannschaft, Björn Meyer ist Fan von Fußball und vom FC St.Pauli.
Den Beweis hat er immer dabei. 242 Spiele in einer Saison, alles dokumentiert in einem Heft mit Datum, Uhrzeit und Resultat. Bei jedem einzelnen Spiel ist Björn Meier vergangene Saison im Stadion gewesen – und hat dabei im Rollstuhl gesessen.
Obwohl er seit seiner Geburt durch einen Genfehler nicht mehr laufen kann, verpasst Björn Meier fast kein Spiel seines Lieblingsvereins FC St.Pauli. Alles begann 2001 mit einer Reise nach Schleswig-Holstein. Irgendwo entdeckte der damals Achtjährige ein Sammelbild. »Ja, das war Marko Topic von Energie Cottbus mit der Rückennummer 22. Ich fand das irgendwie aufregend. Bis dahin kannte ich nur Bayern München und hatte mit Fußball wenig am Hut«, erinnert sich Björn Meyer. Seitdem haben ihn besonders die kleinen Vereine fasziniert. Und an erster Stelle der FC St.Pauli.
Nicht nur Bundesligafußball zählt
Seine Fankarriere startete dann mit einem Besuch eines Spiels seiner Mannschaft im Oktober 2002. »Mein Stiefvater hatte mich überredet, mitzukommen. Es war ein dämliches 0:0 im Abstiegskampf der 2. Liga gegen RW Oberhausen und St. Pauli stieg dann unter Joachim Philipkowski in die Regionalliga ab«, ärgert sich der 17-jährige Schüler noch heute. Dennoch war der Kiezclub von da an seine große Leidenschaft. Als St.Pauli-Fan kann Björn Meier mit dem Erzrivalen, dem Hamburger SV, nur wenig anfangen. »Die sind nicht so mein Ding. Aber es gehört doch dazu, dass solche Rivalitäten gelebt werden.«
Björn Meier interessiert sich nicht nur für Bundesligafußball. Vor vier Jahren ist er zum ersten Mal zu Spielen der Hamburger Amateurmannschaften gegangen. Hier galt und gilt seine Hingabe seinen Lieblingsmannschaften der Hamburger Traditionsvereine HEBC und VfL Hammonia. Egal bei welchem Wetter macht sich Björn meier auf zu den vielen Hamburger Schauplätzen. Kaum ein Stadion ist ihm fremd. Kaum einer kennt die Amateurligen rund um Hamburg so gut wie er. Spiele von Juniorenteams, in denen Mitschüler seiner Schule kicken, Ober-, Landes-, Bezirks- und Kreisklasse – für Björn Meyer zählt vor allem das Spiel.
Verbindung zwischen Fan und Verein
Seine besondere Liebe zum Fußball ist auch den Vereinen rund um Hamburg nicht entgangen. Dass Björn Meyer trotz seiner Behinderung regelmäßig im Stadion sitzt, beeindruckt die Verantwortlichen. So bekommt Björn Meyer auch Rückmeldung für seine Leidenschaft. »Ich finde es etwa toll, dass mich Daniel Gehrke, Trainer des VfL Hammonia, zur Präsentation der Neuzugänge für die kommende Saison eingeladen hat.«
Nach dem Abschluss der zehnten Klasse will Björn Meyer womöglich als Journalist arbeiten. »Das Beschreiben von Fußballspielen macht mir schon jetzt Riesenspaß.« Das Heft für jede noch so kleine Notiz hat er dafür immer dabei.








